Stützpunkt H.K.B. Søndervig
Die Küsten um Ringkøbing waren für eine Invasion eigentlich wenig geeignet. Zwischen Nymindegab im Süden und dem Nissum Fjord im Norden ist die Landschaft vor allem durch die vielen Fjorde gekennzeichnet. In den Vierzigern waren zudem viele Sumpfgebiete noch nicht trockengelegt. Weiter nördlich beginnt bereits die Steilküste. Nur bei Søndervig existierte zwischen dem Stadil Fjord und dem Ringkøbing Fjord eine schmale Landbrücke mit einer Breite von ungefähr zwei Kilometern. Von dort aus hätten gelandete Streitkräfte über Ringkøbing schnell ins Landesinnere vorstossen können.1 Aus diesem Grund sah die Wehrmacht das Gebiet als gefährdet an.
Aufstellung einer Batterie

Im Frühjahr 1941 wurde über die Aufstellung von zehn Heeresküstenbatterien in Dänemark entschieden. Der Marinebefehlshaber hielt die Platzierung einer Batterie vor Ringkøbing für besonders wichtig.Am 18.04.1941 schlug er daher u.a. die Aufstellung einer Heeresbatterie bei Søndervig vor.2 Nach der Zustimmung des Oberkommandos und Geländeerkundungen durch Heer und Marine ging am 24./25. Juni die H.K.B. 535 bei Kryle in Stellung.2,3 Die Batterie bestand aus vier französichen 10,5 cm K 331(f) Feldgeschützen, mit einer Reichweite von ca. 12 km. Die Besatzung übernahm die neu aufgestellte 5./H.K.A.R. 180. Zunächst standen die Kanonen in einfachen Erdstellungen, wurden aber im Juli auf neue Betonfundamente gestellt.2
Im Zuge des Aufbaus des "Neuen Westwalls" wurde Søndervig am 20.06.1942 zum Stützpunkt erklärt.4 Bald darauf begann auch der Bau der ersten ständigen Anlagen. So wurde Ende des Jahres mit dem Bau von vier Mannschaftsbunker vom Typ 501, sowie zwei Munitionsbunkern des Typs 134 angefangen.5 Um diese Zeit schlug der Marinebefehlshaber auch die Aufstellung eines Marineradars bei Søndervig vor, das zur Küstenüberwachung eingesetzt werden konnte.6 Dies konnte aber nicht sofort umgesetzt werden. Erst im Juli 1943 ging schließlich ein FuMO 5 "Boulogne" bei Houvig in Stellung.7,8 Allerdings zeigten Tests, dass es nur über eine begrenzte Reichweite von 6 - 8 km gegen Fischkutter und 11 - 13 km gegen Minenboote verfügte.9
Ausbau der Stellung

Im Laufe des Jahres 1943 wurde die Batterie weiter befestigt. Der Leitstand vom Typ 636 wurde gebaut, sowie verschiedene Mannschaftsbunker der Typen 622, 628 und 635, für jeweils 10 oder 20 Mann.5 1944 wurden die Geschütze schließlich in Schartenstände des Typs 671 eingebaut. Da sie nun nicht mehr die Rückseite des Stützpunktes beschießen konnten, wurden zwei zusätzliche 10,5 cm Geschütze in offenen Bettungen aufgestellt. Die Bautätigkeiten waren nun auf dem Höhepunkt. Unter anderem wurden noch ein Artilleriebeobachtungs-, Küchen- und Sanitätsbunker errichtet, außerdem noch zwei Flakstände.5
Neben den schweren Bunkern gab und gibt es zudem noch eine Vielzahl feldmäßiger Bauwerke: leichte Betonkonstruktionen, Munitionsnischen und Backsteingebäude. Auf der höchsten Düne befindet sich ein dünnwandiger Beobachtungsposten. Als Besonderheit wurde im Stützpunk eine eigene Doppelkirche errichtet, mit je einem Raum für den evangelischen und katholischen Gottesdienst.10
Die zunehmende Ausdehnung der Stellung führte dazu, dass immer mehr Grundstücke von den Deutschen beschlagnahmt wurden. Ein tragisches Beispiel ist der Kryle Hof, der nicht nur enteignet wurde, sondern Anfang 1945 auch noch mitsamt der in ihm gelagerten Munition vollständig niederbrannte.11 An seiner Stelle steht heute ein Gedenkstein.
Die Bewaffnung

Neben der Hauptbewaffnung waren im Stützpunkt noch verschiedene Infanteriewaffen vorhanden. Einige Granatwerfer waren in Ringständen vom Typ 69 aufgestellt und es gab eine Auswahl verschiedener Maschinengewehre. Der Batterie waren auch zwei 5 cm Kampfwagenkanonen zugeteilt worden, die jedoch nicht eingesetzt werden konnten, da die Lafetten fehlten.5 In den Bunkern am Strand waren außerdem Hohlladungen vorhanden, die von den Besatzungen im Nahkampf auf feindliche Panzer aufgesetzt hätten werden müssen.12
Zur Flugabwehr waren bei Kryle zwei 2,5 cm Hotchkiss-Flaks eingesetzt.5 Vermutlich standen sie auf den zwei Flakbunkern der Batterie vom Typ L 409A. Die Flaks der Stellung sollen an mehreren Abschüssen alliierter Bomber beteiligt gewesen sein.13
Zustand heute
Allgemein ist die Stellung noch gut erhalten. Die Bunker hinter den Dünen sind in einem guten Zustand und überall finden sich noch leichtere Bauwerke mit dünnen Betonwänden oder aus Mauerwerk. Hier und da erkennt man noch Laufgräben. Das Areal ist heute ein Sommerhausgebiet. Am Strand sieht die Situation etwas anders aus. Durch starke Erosion sind die Bunker abgeruscht, einige Ringstände sind zerbrochen und die alten Geschützbettungen versinken im Sand.
Sturm 2008

Im Frühjahr 2008 wurde die Küste bei Søndervig von einer starken Sturmflut getroffen. Der Sandstrand und einige Meter Dünen wurden fortgespült, so dass der alte deutsche Küstenschutz wieder unter dem Sand zum Vorschein kam. Auch die urprünglichen Bettungen der Geschütze waren wieder frei von Sand. Allerdings wurden die ohnehin schon angegriffenen Ringstände noch weiter zerstört. Der Leitstand wurde unterspült, wodurch der Beobachtungsstand unter dem gewaltigen Gewicht zusammengedrückt wurde.
Es gab jedoch eine positive Überraschung. Der Sturm hatte die vier Mannschaftsunterstände am Strand vom Typ 501 freigespült, die seit Kriegsende unter den Dünen verborgen lagen. Erstaunlicherweise war ihre Einrichtung noch weitgehend vorhanden, obwohl eigentlich alle Bunker nach dem deutschen Abzug leergeräumt worden waren. In ihnen fanden Archäologen halb verrottete Tische, Stühle, Schränke und Betten, aber auch persönliche Gegenstände der Soldaten: Tintenfässer, Geschirr, Stiefel und sogar einige Briefmarken.
Die Funde sollen nun konserviert und in einem Museum ausgestellt werden. In den Bunkern fanden sich schon Spuren von Demontagearbeiten. Man nimmt an, dass die Mannschaftsunterstände entweder überflutet oder von Flugsand in kurzer Zeit zugeweht wurden, so dass sie in Vergessenheit gerieten. Dies wird wohl ein einmaliger Fund bleiben.
- Anthonisen, Bent Bågøe: Der Atlantikwall bei Ringkøbing. S. 12
- Andersen, Jens: Tysk invasionsforsvar i Danmark 1940-45. S. 81
- Andersen, Jens: Tysk invasionsforsvar i Danmark 1940-45. S. 93
- Andersen, Jens: Tysk invasionsforsvar i Danmark 1940-45. S. 119
- Fest.Pi.Stab 31: Baufortschrittsmeldung. Stand 15.01.1945. Stützpunktgruppe Søndervig
- Andersen, Jens: Tysk invasionsforsvar i Danmark 1940-45. S. 137
- Andersen, Jens: Tysk invasionsforsvar i Danmark 1940-45. S. 139
- Andersen, Jens: Tysk invasionsforsvar i Danmark 1940-45. S. 379
- Andersen, Jens: Tysk invasionsforsvar i Danmark 1940-45. S. 207
- Anthonisen, Bent Bågøe: Der Atlantikwall bei Ringkøbing. S. 17
- Anthonisen, Bent Bågøe: Der Atlantikwall bei Ringkøbing. S. 34
- Anthonisen, Bent Bågøe: Der Atlantikwall bei Ringkøbing. S. 14
- Anthonisen, Bent Bågøe: Der Atlantikwall bei Ringkøbing. S. 13
