Festungsbau

Bereits ab 1934 arbeitete die Wehrmacht mit der zivilen Industrie zusammen, um Festungsbautypen zu finden, die strategisch und taktisch für den Einsatz in großen Festungsanlagen angepasst waren. Diese Typen sollten größtmöglichen Schutz vor Luft- und Bodenangriffen bieten, die Beweglichkeit der Truppe aber nicht unnötig einschränken.

Im Jahr 1938 wurden nach diesem Prinzip der Westwall ("Siegfried-Linie") zwischen Deutschland und Frankreich angelegt. Die Entwicklung neuer Typen wurde während und nach dem Bau ständig fortgesetzt. Bei Ende des Krieges gab es Pläne für einige hundert verschiedene Anlagetypen.

Diese riesige Anzahl entstand aus der Forderung, dass in einem voll ausgebauten Stützpunkt, wie z.B. einer Batterie, einem Flugplatz oder einer Radaranlage, alle Funktionen in Bunkern geschützt untergebracht sein sollten. Es wurden also Bunker für Mannschaft, Munition, Gerät, Waffen, Stromversorgung, Verpflegung, Kommunikation und vieles mehr benötigt. Eine Vielfalt an Typen für jeden Bereich entstand auch dadurch, dass die Planung nicht zentral ausgeführt wurde, sondern jeder Truppenteil seine eigenen Entwürfe fertigte.

Außerdem wurden im Laufe des Krieges verbesserte Versionen von vielen der Bunker eingeführt.
Es lagen verschiedene Konstruktionsformen vor. Sie reichten vom feldmäßigen Schutz, mit einfachen Materialien, bis zum ständigen Ausbau mit Betonbunkern mit bis zu 3,5 m Wandstärke.

Planung

Die Planung und Organisation des Atlantikwalls erfolgte zentral vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) in Berlin, zum Teil aber auch von den drei Wehrmachtsteilen.
Dabei waren für jeden Teil spezielle Aufgaben vorgesehen. Im Idealfall sollte das Heer für die Landverteidigung zuständig sein, die Marine die Küsten überwachen und die Luftwaffe Radaranlagen und Flakbatterien aufstellen.

Wegen des riesigen Ausmaßes der Bauvorhaben am Atlantikwall kam es jedoch häufig zu Versorgungsengpässen. Es gab deshalb unter den Wehrmachtsteilen oft Streit über den Vorrang der Bauvorhaben.
Dieser Streit brachte die Frage auf, ob die alliierten Landungstruppen auf dem Meer und bei der Landung oder erst auf dem Land angegriffen werden sollten. Die Beantwortung dieser Frage hätte klargemacht, ob Marine oder Heer bei Bauvorhaben bevorzugt werden sollten.

Die Wehrmacht entschied 1942 schließlich Küste und Meer als Hauptkampflinie anzusehen.
Außerdem sollten die Wehrmachtsteile untereinander stärker zusammenarbeiten. So sollten zum Beispiel Waffen, die für Seeziele bestimmt waren, auch gegen Ziele auf dem Land verwendet werden können.

Besonders an den Heeresküstenbatterien kann man erkennen, wie schwierig es war, die Forderungen von Heer und Marine zu einer effektiven Küstenverteidigung zu vereinigen. Das Heer wurde hier in einem eigentlich eher der Marine zustehenden Gebiet eingesetzt. Die Batterien sollten aber auch gegen Ziele auf dem Land verwendet werden und so entstand ein Streit über die Leitung der Batterien und die Ausbildung des Personals.

Schließlich legte man fest, dass die Marine die Verantwortung für den Kampf auf See und das Heer für den Kampf auf Land hatte. Das stellte allerdings keine Lösung dar und die Diskussion dauerte bis Kriegsende an.

Ausführung

Da die Bauarbeiten am Atlantikwall einen riesigen Bedarf an Personal mit sich brachten, und dieser Bedarf nicht allein durch die Festungspioniere der Wehrmacht gedeckt werden konnte, wurden auch zivile Firmen zu den Arbeiten herangezogen.
Die mit großem Abstand größte und bedeutenste von ihnen war die Organisation Todt (OT). Ursprünglich war sie ein Zusammenschluss deutscher Firmen unter der Leitung des Ingenieurs Dr. Todt. Sie wurde vor allem bei den großen öffentlichen Arbeiten, die von Hitler in Gang gesetzt wurden, z. B. beim Bau der Reichsautobahnen, eingesetzt. Später wurde OT im großen Rahmen an den Arbeiten am Westwall beteiligt und schließlich übernahm sie alle Arbeiten der Wehrmacht, die von zivilen Kräften ausgeführt werden konnten.

Die OT arbeitete selbständig und war an eine Bauquote gebunden, die nach der verwendeten Menge Beton festgelegt war. Am Bauort konnten örtliche Firmen oder Jugendliche, die beim Reichsarbeitsdienst dienten, als Ergänzung herangezogen werden.
Die Zusammenarbeit mit den Festungspionierkorps sah in etwa so aus:
Die Planung und Vorbereitung wurde vom Festungspionierstab übernommen (Geländebesichtigungen, Bauzeichnungen usw.). Dann wurden die Bau- und Montagepläne an die OT übergeben und von ihr ausgeführt.
Nach der Fertigstellung der Anlagen übernahm das Festungspionierkorp die Einrichtung und Ausstattung mit Waffen, Gerät und fast allen anderen Dingen.

Einen klaren Vorrang vor anderen Bauten hatten:

  • die Batterien, von denen erwartet wurde, dass sie den stärksten Angriffen ausgesetzt sein würden,
  • weitreichende und nicht mobile Batterien, sowie
  • Kommandozentralen und Führungseinrichtungen.

Waffen wurden oft zuerst nur feldmäßig aufgestellt und später in Beton eingebaut. Dies brachte aber eine starke Einschränkung der Beweglichkeit mit sich.